Die Weltmeisterschaft ist bereits Geschichte und morgen geht es schon mit der PDC Qualifying School in ein neues Dart Jahr.
Die PDC Weltmeisterschaft war mit 20 Tagen ganze vier Tage länger als die im letzten Jahr und sie hatte auch mehr Teilnehmer und wir haben noch mehr Spiele gesehen - sie war so lang, dass ich mich schon gar nicht mehr an die ersten Spiele erinnern kann.

Ich weiß aber schon noch, dass auch am ersten Turniertag Luke Littler am Oche stand und sein Spiel gegen Darius Labanauskas genauso eindeutig gewann wie er gestern das Finale der Weltmeisterschaft gegen Gian van Veen, bei dem er allerdings ein Set abgeben musste. Aber das Finale war ja mit sieben Sets auch deutlich länger.
Dazwischen lagen fünf weitere fast ebenso eindeutige und einseitige Spiele - lediglich gegen Rob Cross in der vierten Runde wurde es etwas schweißtreibender für Littler. Littler ist ein herausragender Spieler und er verfügt auch über ein sehr viel besseres Timing als viele andere Spieler. Allerdings bringt das auch mit sich, dass er bei seinen Spielen so eine Art Alleinunterhalter ist und dass die Spiele selbst nicht zu den herausragenden und spannenden Spielen gehören, die man als Zuschauer eigentlich gerne sehen möchte. Littler ist gerade noch 18 Jahre alt und der Hype um ihn ist unglaublich. Wie wird es mit ihm weiter gehen, wenn er älter wird?

Es gab aber natürlich bei dieser Weltmeisterschaft auch jede Menge Überraschungen und auch eine ganze Reihe von wirklich herausragenden Spielen.
Die größte Überraschung der Weltmeisterschaft was sicher das Abschneiden von Justin Hood, den ja inzwischen jeder Dart Fan kennen dürfte und der Dank der Weltmeisterschaft seinem Traum, ein China Lokal zu eröffnen, doch ein gutes Stück nähergekommen ist. Auch James Hurrell und der Schwede Andreas Harrysson sind nach der Weltmeisterschaft bestimmt deutlich bekannter als vorher.
Viele der Top Spieler sind bei der Weltmeisterschaft recht früh aus dem Turnier ausgeschieden - es begann gleich am zweiten Turniertag mit Ross Smith und setzte sich vor allem in der zweiten Runde mit Dirk van Duijvenbode, Dave Chisnall, Michael Smith, Chris Dobey, Ryan Joyce, Joe Cullen, Gerwyn Price, Wessel Nijman, James Wade, Daryl Gurney und Danny Noppert weiter fort. Unter anderen war für Stephen Bunting, Martin Schindler, Damon Heta, Jermaine Wattimena und Nathan Aspinall dann in Runde 3 Schluss.
Zumindest ich hatte nicht unbedingt erwartet, dass in den Viertelfinalen neben Justin Hood auch noch Ryan Searle, Gary Anderson, Krzysztof Ratajski und Jonny Clayton am Oche stehen würden. Searle und Ratajski und vor allem auch Gary Anderson waren eigentlich auch so etwas wie "Überraschungs-Spieler" und Anderson war an einigen der herausragenden Spiele der Weltmeisterschaft beteiligt - das fing bereits in der ersten Runde gegen Adam Hunt an, ich kann mich nicht daran erinnern, dass Hunt je zuvor so ein gutes Spiel gespielt hat, setzte sich beim Sieg über Jermaine Wattimena fort und endete im unglaublichen Halbfinale gegen Gian van Veen, das für mich zu den besten Spielen der Weltmeisterschaft gehörte, ja eigentlich sogar das Spiel der Weltmeisterschaft war. Auch das Spiel zwischen Danny Noppert und Justin Hood war eines der herausragenden Spiele der Weltmeisterschaft genauso wie das Spiel zwischen Luke Humphries und Gabriel Clemens.
Insgesamt gesehen waren die deutschen Spieler aber nicht wirklich gut - es standen zwar noch vier Deutsche in der dritten Runde, mehr als je zuvor, aber alle vier schieden dort auch aus. Auch die fünf Frauen, die sich für die Weltmeisterschaft qualifizierten, beeindruckten nicht, wobei man aber auch erwähnen muss, dass sie tatsächlich alle fünf gegen gesetzte Spieler antraten, die ihnen in Bezug an Erfahrung auf der Alexandra Palace Bühne weit überlegen waren.

Daneben gab es Dank Cameron Menzies und auch Dank Mensur Suljovic auch einiges an Drama zu sehen, wobei Menzies ja wenigstens nur sich selbst schadete, während Suljovic wieder einmal durch seine Spielweise seine Zweitrundengegner Joe Cullen auf die Palme brachte. Ganz ehrlich - das Argument, er spielt eben so, ist einfach falsch. Er spielt nur so, wenn er bei seinen Gegner etwas erreichen will (und kann). Gegen Luke Littler sah das vollkommen anders aus - so spielen kann tatsächlich auch. Ich muss aber sagen, dass ich sein Verhalten schon im Spiel gegen David Cameron etwas befremdlich fand. Nach dem Spiel hatte er sich Minuten lang von irgendwelchen Zuschauern (ich weiß gar nicht ob das wirklich Fans von ihm waren) feiern lassen und ich dachte schon, er geht gar nicht mehr von der Bühne ab. Das habe ich tatsächlich noch nie bei einem anderen Spieler so gesehen.
Cameron Menzies hat hingegen offenkundig mentale Probleme - das ist natürlich sehr schwierig und es geht einfach auch nicht, dass man sich auf der Bühne überhaupt nicht im Griff hat. Ich erinnere mich noch daran, wie ich ihn zum ersten Mal bei einem PDC Turnier gesehen habe. Damals spielte er in einem Gruppenspiel beim Grand Slam gegen Berry van Peer, der damals heftig mit Dartitis zu kämpfen hatte. Menzies hatte unglaublich Mitleid mit ihm und war so sehr damit beschäftigt, van Peer gut zu zureden, dass er am Ende das Spiel verloren hat.
Den Nachmittag, an dem erst Menzies und danach Suljovic spielte, werde ich nicht so bald vergessen - das war sicherlich die seltsamste Nachmittags-Session, die ich bisher erlebt habe.

Daneben habe ich eine ganze Reihe von bunten Bildern im Kopf, wenn ich an meine Tage bei der diesjährigen Weltmeisterschaft zurück denke - den Walk on von Ricky Evans, David Munyuas Tanz auf der Bühne, den sehr blassen - in jeder Hinsicht - Dimitri van den Bergh, der hoffentlich irgendwann seine Probleme überwinden kann, Peter Wright, der seine Grinch Handschuhe nur mit Hilfe von Noa-Lynn van Leuven wieder los würde, das sehr nostalgische Spiel zwischen Ian White und Mervyn King und natürlich Paul Lim, der ein so überzeugendes Erstrundenspiel spielte, während im Hintergrund auf der Bühne Jeffrey de Graaf langsam aber sicher verzweifelte.
Und natürlich gab es da auch noch die Wespen, die fast jeden Tag auf der Bühne unterwegs waren, sich bei manchen Spielern auf dem Shirt niederließen, Gabriel Clemens beim Interview umschwirrten und gestern auch im Finale bei Luke Littler für Irritation sorgten - gegen sie ist selbst die Nummer 1 der Welt machtlos...